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Oberkassel
- Kleine Baugeschichte und architektonische Highlights
Der linksrheinische
Stadtteil Oberkassel bot noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
das Bild einer ländlichen Idylle mit einzelnen, verstreut liegenden
Gehöften, einigen Ziegeleien und mehreren Gastwirtschaften, darunter
der berühmte Guts- und Gasthof "Vossen links".

Von dieser Hofanlage
blieb als ältestes noch bestehendes Bauwerk in Oberkassel das Heiligenhäuschen
bestehen. Die Existenz der kleinen Kapelle ist seit 1772 belegt.
Bedingt durch die Anhebung des Geländeniveaus in den 1930er Jahren
liegt der Bau niedriger als der nach ihm benannte Straßenzug und
ragt in den Gehweg hinein. Im Innern befindet sich ein Madonnenfresko
von Laufenberg.
Um die Jahrhundertwende
wandelte sich die kleine Ortschaft grundlegend zu einem
planmäßig besiedelten Wohngebiet, das 1909 nach Düsseldorf eingemeindet
wurde.
Auslöser dafür war eine Privatinitiative, und zwar die am 25. März
1896 gegründete "Rheinische Bahngesellschaft", deren Vorsitz Kommerzienrat
Heinrich Lueg innehatte. Umgehend wurde mit dem Bau einer festen
Rheinbrücke begonnen, um eine Verbindung von Düsseldorf nach Krefeld
und Moers durch Anlage einer elektrischen Schnellbahn (übrigens
die erste ihrer Art in Deutschland!) zu schaffen. Zudem kaufte die
Gesellschaft nahezu das gesamte Gelände im Rheinknie auf.
Nach der Errichtung
des Hochwasserdamms wurde das Gebiet systematisch durch ein Netz
von Ring-, Radial- und Diagonalstraßen erschlossen. Die Konzeption
des neuen Stadtteils oblag dabei dem berühmten Stadtplaner und Städtebauer
Hermann Josef Stübben (1845-1936). So entstand in den Jahren zwischen
1900 und 1914 ein in geschlossenem Blocksystem bebautes Wohngebiet
mit qualitätsvollen, "herrschaftlichen" Gründerzeithäusern der mittelständischen
und gehobenen Schichten - das vornehme Oberkassel Süd.
Planerisch wurde
die Luegallee als Hauptverkehrsachse angelegt. Sie verbindet die
Oberkasseler Brücke geradlinig mit dem am Belsenplatz gelegenen,
1898 errichteten Oberkasseler Bahnhof. Das pavillonartige Empfangsgebäude
des Kopfbahnhofs mit farbiger Verblendung aus roten und gelben Ziegeln
war seit 1911 als Gaststätte Vossen in Betrieb. Heute wird es unter
dem Namen "Gatz Brauhaus" geführt.
Kaiser-Friedrich-Ring
1
Das viergeschossige
Eckhaus am Luegplatz/Ecke Kaiser-Friedrich-Ring fällt auf durch
einen Arkadenportikus und einen markanten Eckturm, dessen hoher,
geschweifter Turmhelm aufgrund Kriegsbeschädigung nicht mehr erhalten
ist. Die mit bossiertem Werkstein verkleidete Fassade entwarf der
Architekt und Bauherr Theodor Balzer 1905 nach eigenen Angaben "im
Stil der Renaissance". Bekannt war das Gebäude als Restaurant und
Hotel "Zum Brückenschlößchen". Seinen burgartigen Charakter konnte
das Eckgebäude am Brückenkopf im Zweiten Weltkrieg unter Beweis
stellen: Vom Eckturm aus soll die Wehrmacht - so will es die Legende
- die Oberkasseler Brücke verteidigt haben. Nachdem
die Modefirma "Oberkassel 1" 21 Jahre lang in den Räumen residierte,
hat seit August 2001 ebenfalls ein Modeunternehmen dort seinen Firmensitz.
Kaiser-Wilhelm-Ring
/ Luegplatz
Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes erbaute R. Schnütgen
1903 ein Eckwohnhaus mit Flachdach, dessen Fassade die Erinnerung
an italienische Renaissancepaläste weckt. So zeigen die Reliefplatten
Nachbildungen der Sängerkanzelreliefs des florentinischen Künstlers
Luca della Robbia. Weitere Fassadenornamente sind die stuckierten
Festons auf den Wandflächen des oberen Halbgeschosses sowie ein
Ornamentband mit antikisierendem Wellenmuster.

Kaiser-Wilhelm-Ring
Beidseitig
der Luegallee wurde vom Luegplatz aus ein großzügiges System von
Ringstraßen angelegt, die den Verlauf des Rheinknies nachzeichnen.
Ebenso wie am Luegplatz als Eingang zum neuen Stadtteil finden sich
am Kaiser-Friedrich-Ring und Kaiser-Wilhelm-Ring die schönsten
und stattlichsten Fassaden. Der Stilrichtung des Historismus und
des Jugendstil verpflichtet, weist die geschlossen bebaute Rheinfront
ein weitgehend homogenes Erscheinungsbild auf, bei dem eine Vielfalt
von dekorativen Elementen zusammenstimmt - trotz der munteren Mischung
aus Stiladaptionen des Neobarock, der Neorenaissance, des Fachwerkbaus
etc..
Barbarossaplatz
Zwischen
Luegplatz und Belsenplatz wartet der trapezförmige Barbarossaplatz
auf mit dem sehenswerten, 1915 entstandenen Brunnen von P. Stammen
auf der nördlichen Hälfte des Platzes.

Antoniuskirche Luegallee
Unweit
des Barbarossaplatzes markiert der monumentale Bau der Antoniuskirche
eine rhythmische Unterbrechung der Luegallee. Die neoromanische,
dreischiffige Werksteinbasilika mit Doppelturmfassade wurde in den
Jahren 1909-11 von dem Architekten Josef Kleesattel errichtet. Im
Inneren wurden Decken und Wände durch den Oberkasseler Künstler
"Gerhard Wind" ausgemalt.

Kyffhäuserblock
Luegallee
Gegenüber
der Antoniuskirche befindet sich der sogenannte "Kyffhäuserblock",
eine großbürgerliche Wohnanlage von 1910/11 mit "hochherrschaftlichen",
anspruchvoll ausgestatteten Wohnungen des Oberkasseler Architekten
Gustav Utermann. Die
Gliederung der Fassade zeigt Formenreichtum durch Lisenen, Säulen,
Jugendstilelemente, Erkerbauten und vier straßenseitige unterschiedlich
gestaltete Giebel.
Postamt Luegallee
Unmittelbar daneben liegt das Gebäude des Postamtes aus dem Jahren
1926-28. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im Sommer 2000 erstrahlt
die denkmalgeschützte, expressionistische Backsteinfassade
in neuem Glanz. In den ursprünglichen Zustand zurückversetzt
wurden auch die Fenster, deren Rahmen jetzt hellgrün leuchten.

Evangelische
Auferstehungskirche
Arnulfstraße / Ecke Quirinstraße
Ein
architekturgeschichtlich wichtiges Zeugnis, das auf die rheinische
Backsteinarchitektur
der 1920er Jahre vorausweist, bildet die Evangelische Auferstehungskirche
an der Arnulfstraße / Ecke Quirinstraße. Sie wurde 1913-14 von den
Architekten Verheyen und Stobbe errichtet. Hier sind Kirche, Pfarrhaus,
Gemeindesaal und Verwaltungsgebäude zu einem baulichen Ensemble
aus unverputztem Backstein mit Natursteingliederung, allesamt mit
grünen Ziegeldächern, zusammengefaßt - für damalige Zeiten ein Novum.
Die Kirche, ein Saalbau
mit Emporen, präsentiert sich mit hohem barockisierendem Volutengiebel
mit Jugenstilornamenten und einem herausgerückten oktogonalen Turm
mit Bläsergalerie.
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